Deutscher Aikido-Bund DEUTSCHER AIKIDO-BUND e.V.

Ein Urgestein des Aikido ist nicht mehr

 
Mitte Januar 2026 ist Eckhard Claaßen im Alter von 88 Jahren in Hamburg verstorben. Er prägte jahrzehntelang das Aikido in Deutschland mit.

2013 musste er nach einem Schlaganfall abrupt mit dem aktiven Aikido aufhören. Eigentlich wollte er da gerade zu einem Bundeslehrgang nach Bad Bramstadt kommen, aber die Krankheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Wer war Eckhard nun?

Zuletzt hatte er den sechsten Dan inne. Er war ab 1984 in der Technischen Kommission des DAB und von 1986 bis 2001 Bundesreferent für Prüfungswesen, Zentraltrainer für Hamburg und lange Zeit haupt­verantwortlicher Trainer für den HTBU (Hamburger Turngesellschaft Barmbeck-Uhlen­horst). In den 90er-Jahren kamen viele Dane in den Sommerferien dort zu ihm ins Training. Das Aikido in den sogenannten neuen Bundesländern hat er zusammen mit Roger Zieger zum größten Teil aufgebaut. Jahrelang bot er den Wochenlehrgang in Werdau und etliche andere Lehrgänge an. Viele ältere Aikidoka dort bezeichnen ihn sicherlich als ihren prägenden Lehrer. Auf Bundesebene galt er als Messerspezialist und als Mann des schnörkellosen Aikido.

An ihm und seiner Art schieden sich die Geister. Er war rau, aber herzlich. Nicht alle kamen mit seiner Art klar. Er machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Bei ihm wusste man, woran man war. Es fiel ihm schwer, wenn er Übende nicht erreichte und sie nicht so motivieren konnte, dass sie mit Freuden am Training teilnahmen. Präzise Grundtechniken und Griffsicherheit waren sein A und O. Darauf legte er Wert. Worte, die jeder und jede seiner Schülerinnen und Schüler sicherlich gehört haben, waren: „Sabaki, Sabaki“ oder auch „nicht gemeckert, ist genug gelobt“.
 

   

  
Er hat 1965 in der Budo-Schule Nippon mit dem Aikido angefangen. Danach ging er mit Rolf Brand zum HTBU, wo er dann 1973 als Grüngurt das Training übernahm. Seinen ersten Dan machte er 1975.

Rolf Brand war sein Lehrer und Aikido-Vorbild, dem er bis zuletzt die Treue hielt, auch wenn es ihm nicht immer gedankt wurde und er dadurch auch Nachteile in Kauf nehmen musste. Er war der „treue Eckhard“. Er folgte einem Lehrer. Das beinhaltete sein Verständnis von Budo. Dieses Ver­ständnis hatte er auch seinen engeren Schülerinnen und Schülern vermittelt.

Er hat es geschafft, Menschen zum Aikido zu motivieren und seine Meisterschüler dazu zu bringen, eigene Aikido-Gruppen zu bilden.

Für ihn hatte die Lehrer-Schüler-Beziehung einen hohen Stellenwert, die nicht am Rand der Matte aufhörte. Er versuchte, Gradlinigkeit, Gemeinschaft und Zuverlässigkeit zu vermitteln. Ich erinnere mich noch an das jährliche Grünkohlessen in seinem Biergrund oder wie er nach dem ZT heutigen hochrangigen Meistern in jungen Jahren mehr als genug Alkohol angeboten hatte und dann sagte: „Wenn du morgen früh nicht auf der Matte bist, brauchst du gar nicht wiederzukommen!“ – und sie waren auf der Matte. :-)

Sein Aikido war gradlinig und ohne irgendwelchen Schickimicki. Ja, es war traditionell. Neue Formen saß er meist aus und – oh Wunder – nach nicht allzu langer Zeit waren die Formen, die er zeigte, wieder aktuell.

Zum Schluss war es ruhig um Eckhard geworden. Nicht viele hielten Kontakt zu ihm. Wenn er konnte und es erfahren hatte, schaute er noch bei den Dan-Prüfungen in Hamburg vorbei. Was gab es für ein Hallo, wenn er wieder einmal dabei war.

Schade, dass er nicht mehr unter uns weilt. Mir werden er und seine gradlinige Art fehlen.

 
Claus-Dieter Sonnenberg,
Brauschweiger Judo-Club e.V.